

DIE ÄRZTE für AFRIKA – Urologen für Ghana
Dr. Gerd Engel ist seit 1973 Mitglied der BKK Herford Minden Ravensberg. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Oberarzt bei Herrn Prof. H. D. Wulff am Klinikum Herford arbeitete er seit 1979 als niedergelassener Urologe in Herford. Als Ruheständler gründete er mit ärztlichen Kollegen und Krankenschwestern den gemeinnützigen Verein DIE ÄRZTE für AFRIKA e.V., den er seither als 1. Vorsitzender leitet. Mit seiner Frau Katrin Engel führt er ehrenamtlich humanitäre Hilfseinsätze an verschiedenen Missionskrankenhäusern in Ghana/Westafrika durch.
Wir freuen uns sehr über das soziale Engagement unserer Versicherten, über das wir Sie auch künftig auf unserer Internetseite informieren möchten. Hier nun ein Bericht von Herrn Dr. Engel.
Patienten warten auf die Untersuchung
Visite mit ghanaischen Ärzten
Instrumentenschulung
Operative Ausbildung eines Assistenzarztes
Täglich wird man in den Medien mit dem Elend dieser Welt konfrontiert und stellt sich fast automatisch die Frage: Kann ich mich hier in irgendeiner Form einbringen, um der Not abzuhelfen? Wie und wo kann ich helfen?
Es liegt nahe, dass man es in dem Bereich versucht, wo sich im Laufe des Berufslebens die größte Erfahrung angesammelt hat – und das ist bei mir das urologische Fachgebiet.
Nur durch Zufall erfuhr ich von der schlimmen Situation in Ghana/Westafrika: Dort gab es 2006 bei ca. 23 Mio. Einwohnern lediglich neun einheimische Urologen; bei einem schweren Verkehrsunfall verunglückten drei Urologen tödlich, da waren es nur noch sechs. So wurde schnell der Entschluss gefasst, vor Ort zu helfen. Umfangreiche Vorbereitungen wurden getroffen und meine Frau Katrin, ein Organisationstalent ersten Ranges, packte Instrumente und Koffer – und los ging´s.
Ghana ist etwa so groß wie die ehemalige westdeutsche Bundesrepublik. Das Land hat, wie bereits erwähnt, ca. 23 Mio. Einwohner; davon leben allein ca. 4 Mio. in der Hauptstadt Accra. Das Land liegt in den Subtropen, infolgedessen ist es immer heiß bei hoher Luftfeuchtigkeit.
Die Bevölkerung ist arm. Das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters beträgt bei hoher Inflationsrate ca. 40-50 US$ pro Monat, das entspricht bei dem derzeitigen Wechselkurs etwa 25-35 €. Vermutlich infolge des Klimawandels kam es in den letzten Jahren zu extremen Wetterperioden, was der Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle erheblich geschadet hat. An der Küste leben die Menschen vorwiegend vom Fischfang; wegen der Überfischung der Gewässer durch Industriestaaten sind die Fangquoten für die einheimischen Fischer extrem rückläufig. So verwundert es insgesamt nicht, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen bei etwa 58 Jahren liegt (in Deutschland 77 Jahre für Männer, 82 Jahre für Frauen).
Stabile, demokratische Regierungsstrukturen garantieren die Sicherheit im Land. Ohne Ängste kann man sich überall frei bewegen.
Ein armes Land kann sich naturgemäß kein aufwendiges Gesundheitssystem leisten. Seit 2 Jahren existiert eine staatliche, freiwillige Krankenversicherung, die im Vergleich zu den niedrigen Einkommen jedoch sehr teuer ist und darüber hinaus auch bestimmte Risiken wie z. B. Malaria und Krebserkrankungen ausschließt. Vor allem in den ländlichen Gebieten ist die medizinische Versorgung völlig unzureichend.
Einheimische Ärzte und Pflegekräfte werden nur in geringer Zahl ausgebildet und ausgebildete Fachkräfte wandern darüber hinaus dann leider gern in wohlhabende Länder wie die USA oder Großbritannien ab („Brain Drain“).
Und so war und ist es ein Segen, dass bereits in der Vergangenheit religiöse Organisationen Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen aufgebaut haben und auch bis heute aufrechterhalten. An mehreren solcher Missionskrankenhäuser sind DIE ÄRZTE für AFRIKA tätig. Da dort funktionierende Strukturen bestehen, insbesondere auf chirurgischem Gebiet, konnten Ärzte und Krankenschwestern bereits nach kurzer Zeit auf dem erheblich unterversorgten urologischen Fachgebiet tätig werden.
Wie genau läuft nun ein solcher Einsatz ab?
Nach Anmeldung des Urologenteams (meist zwei Urologen und eine Fach-Krankenschwester) wird seitens der Krankenhausverwaltung die Ankunft der Urologen allgemein bekannt gegeben; dies geschieht, da es keine Tageszeitungen gibt, über Rundfunk, Aushänge und nicht zuletzt durch die Predigten der Geistlichen in den Kirchen. Die Botschaft wird dann offenbar auch über „Buschtrommeln“ weiterverbreitet und wenn das Team ankommt, sitzen bereits zahlreiche Patienten erwartungsvoll vor dem Krankenhaus.
Die ersten Tage sind besonders stressig: Alle Patienten wollen angehört (gelingt meist nur über einen Dolmetscher) und natürlich untersucht werden. Bei den Untersuchungen sind die Urologen auf einfachste Mittel und Methoden angewiesen. Es ist die „ärztliche Erfahrung“, die hier in erster Linie zählt. Erfreulicherweise konnten wir aufgrund großzügiger Spenden inzwischen auch gebrauchte Ultraschallgeräte an „unsere“ Krankenhäuser bringen.
Die Untersuchungen führen über eine Diagnose zur Therapie und diese ist in den meisten Fällen eine Operation. Nachfolgend will ich mich jetzt einmal beispielhaft kurz auf Prostataoperationen beschränken.
Männer mit Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer Prostatavergrößerung, die in der Regel schon seit bis zu 20 Jahren mit einem Dauerkatheter behandelt wurden, stellen den größten Teil unserer „Kundschaft“ dar. Nach entsprechender Vorbereitung erfolgt eine Operation, meist in Spinalanästhesie („Rückenmarksnarkose“, diese Anästhesieform wird von speziell geschulten Pflegern perfekt durchgeführt).
In der Hälfte der Fälle erfolgt die Operation als offene Schnittoperation, ansonsten wird instrumentell durch die Harnröhre die Prostata elektrisch reseziert („geschält“).
Das anfänglich spärliche Operationsinstrumentarium konnten wir inzwischen mit Hilfe von Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen aufstocken; Verbrauchsmaterialien, wie insbesondere Spezialkatheter werden jeweils aus Deutschland mitgebracht.
Die Nachbehandlung der frisch operierten Patienten auf den Stationen ist aufgrund kontinuierlicher Schulungen des Personals mittlerweile gut und unsere Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend. Mehr als zufriedenstellend ist die Dankbarkeit der Patienten, wenn das jahrelange Kathetertragen ein Ende hat.
Neben der operativen Tätigkeit liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Ausbildung der jungen einheimischen Assistenzärzte und des Pflegepersonals. Auch hier konnten in den letzten zwei Jahren deutliche Fortschritte erzielt werden; junge Ärzte führen die oben genannten Operationen zum Teil bereits selbständig durch; die allgemeine und spezielle Pflege, insbesondere die wichtige Betreuung nach der Operation, konnte entscheidend verbessert werden.
Und es sind diese Erfolge, die uns weiterhin motivieren, unsere Einsätze fortzuführen und auszubauen. Und wenn Sie, lieber Leser, nur einen kleinen Betrag auf das unten angegebene Spendenkonto überweisen, dann haben auch Sie bei der Behandlung armer und kranker Menschen aktiv mitgeholfen.
Weitere Informationen über unsere Tätigkeit finden Sie auf der Homepage:
Spendenkonto:
DIE ÄRZTE für AFRIKA e.V.
Konto-Nr. 0 007 744 110
BLZ 300 606 01
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Dr. Gerd Engel


